Morskie Oko mit dem Privatwagen
Morskie Oko nahm schon immer einen besonderen Platz auf der Landkarte meiner Träume ein. Es ist einer jener Orte, die man von Postkarten, Fotos und Erzählungen kennt und die einen dennoch in der Realität überraschen können. Auf dem Weg zu diesem Tatra-See war es schwer, keine Aufregung zu verspüren – jeder Kilometer brachte mich einer Landschaft näher, die seit Generationen mit ihrer Rauheit und Ruhe begeistert.
Morskie Oko für Menschen mit Behinderungen
Von der Möglichkeit, mit einem Privatwagen zum Morskie Oko zu fahren, erfuhr ich von der Vermieterin unserer Unterkunft in Zakopane. Noch bevor ich in der Hauptstadt der polnischen Berge ankam, nahm ich Kontakt mit dem Tatra-Nationalpark (TPN) auf und erhielt nach Erledigung aller Formalitäten sowie der Zahlung von 80 PLN eine Genehmigung für die Zufahrt mit dem Privatwagen zum Morskie Oko. Derzeit ist es sehr schwierig, eine solche Genehmigung zu bekommen. Im Jahr 2025 startete der TPN jedoch ein Pilotprojekt mit kostenlosen Fahrten für Menschen mit Behinderungen sowie eine Begleitperson mit einem speziellen elektrischen Bus auf der Strecke Zakopane – Morskie Oko.
Wer über ausreichend Kraft in den Armen verfügt, kann das Morskie Oko auch im Rollstuhl aus eigener Kraft oder mit Hilfe eines elektrischen Zusatzantriebs erreichen.
Morskie Oko – Parkplatz
Palenica Białczańska ist eine Lichtung in der Hohen Tatra, etwa 20 km von Zakopane entfernt. Von hier aus starten die meisten Wanderungen zum Morskie Oko. Gleichzeitig ist dies der Endpunkt des motorisierten Verkehrs: PKS-Busse, Kleinbusse sowie traditionelle Pferdekutschen. Der Parkplatz in Palenica Białczańska ist groß, dennoch sind die Stellplätze für Privatwagen oft nicht ausreichend. Um unnötigen Stress zu vermeiden, empfiehlt es sich, das Parkticket im Voraus online auf der Website des Tatra-Nationalparks zu kaufen. Wichtig ist, dass Menschen mit Behinderungen keine Parkgebühr zahlen, dennoch sollte eine Reservierung wie bei allen anderen erfolgen.
Vom Parkplatz in Palenica Białczańska bis zum Morskie Oko sind es etwa 9 km. Für den Spaziergang sollte man rund zwei Stunden pro Strecke einplanen. Die gesamte Route ist asphaltiert, führt stetig bergauf und weist insbesondere ab den Mickiewicz-Wasserfällen eine deutliche Steigung auf.
Zufahrt mit dem Privatwagen zum Morskie Oko
Das Hin- und Herschieben des Rollstuhls durch meine Freunde wäre sicherlich keine angenehme Aufgabe gewesen, weshalb wir uns um eine Genehmigung des TPN für die Zufahrt mit dem Privatwagen zum Morskie Oko bemühten. Im Jahr 2018 wurden täglich nur vier solcher Genehmigungen erteilt: zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Wir hatten Glück und konnten eine erhalten, wodurch wir eines der schönsten Orte Polens unter komfortablen Bedingungen erreichen konnten. Die Strecke von Palenica Białczańska zum Morskie Oko legten wir in weniger als einer halben Stunde zurück. Obwohl das Wetter regnerisch war und Wolken die umliegenden Berghänge verdeckten, waren wir alle von der außergewöhnlichen Lage dieses großen Gewässers begeistert. Einzig schade war, dass wir die vollständige Panoramaansicht bei Sonnenschein nicht erleben konnten. Der Vorteil dieser Situation war jedoch, dass wir die Schönheit der Tatra in Ruhe und ohne Menschenmassen genießen konnten – eine echte Seltenheit an diesem Ort.
Lohnt sich ein Besuch am Morskie Oko?
Definitiv ja! Dieser Ort hat etwas absolut Magisches an sich: die majestätischen hohen Berge, die sich in der Wasseroberfläche des Sees spiegeln, die Stille, die die Gedanken beruhigt, und das Gefühl, der Natur in ihrer spektakulärsten Form zu begegnen. Selbst wenn man bereits Hunderte von Fotos gesehen hat, löst die persönliche Begegnung mit dem Morskie Oko echte Begeisterung und Euphorie aus, die lange in Erinnerung bleibt.
Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass dieser Ort für Menschen mit Behinderungen erhebliche Barrieren aufweist. Etwa hundert Meter vom Parkplatz am Morskie Oko bis zum Aussichtspunkt führen über einen sehr unfreundlichen, steinigen Untergrund, der mit einem Rollstuhl äußerst schwer zu bewältigen ist. Zudem haben mobilitätseingeschränkte Personen keine Möglichkeit, die Berghütte am Morskie Oko zu betreten — steile und hohe Treppen machen sie unzugänglich.
Trotz dieser Einschränkungen sorgt allein die Möglichkeit, am Ufer des Sees zu stehen, die mächtigen Gipfel zu betrachten und diese besondere Bergenergie zu spüren, dafür, dass Morskie Oko weiterhin zu jenen Orten gehört, die man mindestens einmal im Leben gesehen haben muss. Es ist reine Begeisterung, Rührung und Freude — auch wenn der Weg zu vollständiger Barrierefreiheit noch sehr weit ist.
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